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02.04.2019

Zukunft von Wintershall: Allianz für den Standort Barnstorf„Wir brauchen eine Allianz für den Standort Barnstorf!“

Bei einer Aktion Ende Februar protestierten Wintershall-Mitarbeiter gegen den geplanten Stellenabbau.

© Thomas Speckmann

Diepholzer Kreiszeitung vom 02.04.2019

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. „Wir brauchen eine Allianz für den Standort Barnstorf!“ Mit diesem Appell hatte sich Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers bei einer Protestaktion Ende Februar zum geplanten Stellenabbau von Wintershall geäußert. Auf seine Initiative kamen nun Vertreter von Unternehmen, Gewerkschaft, Politik und Kommune im Barnstorfer Rathaus zusammen, um über die Auswirkungen der Fusion mit Dea zu sprechen.

Dabei ging es um die Zukunft der Mitarbeiter, aber auch um mögliche Folgen für Gemeinde und Wirtschaft. „Es sind positive Zeichen zu erkennen, aber als Durchbruch würde ich das Ganze noch nicht bezeichnen“, kommentierte Lübbers am Montag das Ergebnis des Gespräches. Er begrüße die Signale des Erdöl- und Erdgasproduzenten, dass möglichst viele Stellen am Standort Barnstorf erhalten bleiben sollten. Es stehe aber noch nicht fest, wie viele Arbeitsplätze insgesamt wegfielen.

Zentrale Verwaltung aus Hamburg

Im Rahmen der Fusionspläne hatte das Unternehmen angekündigt, dass 180 von 280 Arbeitsplätzen in Barnstorf abgebaut werden sollen. In dem Gespräch am Freitagnachmittag machte die Delegation um den kommissarischen Leiter von Wintershall Deutschland, Mario Dreier, eigenen Angaben zufolge deutlich, dass sich der Stellenabbau vor Ort nicht so dramatisch darstelle, wie von vielen Beteiligten zunächst angenommen.

Künftig sollen für das neue, fusionierte Unternehmen Wintershall Dea in Barnstorf 100 Beschäftigte tätig sein. „Das heißt nicht, dass alle anderen Jobs wegfallen“, erläuterte Wintershall-Personalchef Axel Bode in einer Pressemitteilung. Die zentrale Verwaltung der Deutschland-Aktivitäten werde künftig von Hamburg, nicht von Barnstorf aus, gesteuert. Dazu würden 120 Mitarbeiter, von Wintershall und Dea in Hamburg benötigt. Hier würden Stellen von Barnstorf nach Hamburg verlagert. Ob Umzug oder Pendeln, dass müsse jeder Arbeitnehmer für sich entscheiden. Im Rahmen des Interessenausgleichs werde über Umfang und Unterstützung mit den Betriebsräten gesprochen.

„Ich sehe das skeptisch“

Das Unternehmen wies darauf hin, dass zu den 100 Beschäftigten und Auszubildenden in Barnstorf weitere Jobs kämen. So würden 30 Stellen für Pipeline-Services und Transportleistungen zentral in einer neuen Einheit in Barnstorf zusammengefasst und angesiedelt. Zudem betreibe eine weitere neue Einheit Öl-Nord mit 25 Mitarbeitern die kleineren Ölfeldfelder von Wintershall und Dea in der Region. Diese Tätigkeiten werden bisher von Wintershall verrichtet, wie Pressesprecher Mark Krümpel auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte. Bei den „neuen Einheiten“ könnte es sich um ausgelagerte Unternehmen handeln. Hier setzt auch ein Kritikpunkt der Arbeitnehmervertretung an.

„Ich sehe das skeptisch“, erklärte Betriebsratsvorsitzende Sabine Brandt, die gemeinsam mit Gewerkschaftssekretär Andreas Wieder an dem Gespräch im Rathaus teilnahm. Sie sieht in der Auslagerung von Arbeitsplätzen eine Verschleierung der wirklichen Situation. Zudem sei fraglich, zu welchen Konditionen die Mitarbeiter künftig beschäftigt würden, wenn sie nicht mehr direkt bei Wintershall angestellt seien und einen neuen Arbeitgeber bekämen.

Standort Wietze soll geschlossen werden

„Barnstorf bleibt mit Pipeline- und Untertageservices sowie dem Ausbildungszentrum für Norddeutschland, dem globalen Bohrkernlager und dem neuen Technologiezentrum inklusive Labor ein starkes Kompetenzzentrum für das neue Unternehmen“, betonte Personalchef Bode. Er verwiest darauf, dass das Labor und das Bohrkernlager von Dea im niedersächsischen Wietze (Kreis Celle) nach Barnstorf umziehe. Der Standort Wietze soll geschlossen werden.

„Uns ist klar, dass Veränderungen immer auch für Unruhe und Unsicherheit sorgen. Aber um in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen wir uns wirtschaftlicher aufstellen“, so Bode weiter. Denn die Produktion von Erdöl und Erdgas in Deutschland sei aufgrund des natürlichen Förderabfalls seit Jahren rückläufig. „Mit dem Zusammenschluss und den Veränderungen wollen wir die Chance nutzen, die wirtschaftliche Lebensdauer der heimischen Förderung zu verlängern“, sagte der Personalchef.

Gespräche mit Unternehmen und Zulieferern

Laut Pressemitteilung will Wintershall aktiv in der Allianz für Barnstorf mitarbeiten, um den Standort nachhaltig weiterzuentwickeln. So sei es denkbar, die vorhandene Infrastruktur auf dem Gelände an der Rechterner Straße auch für andere Nutzungen zu vermarkten. Das große Areal mit Bahnanschluss sei für die Ansiedlung weiterer Technikfirmen interessant und geeignet. „Wir führen bereits Gespräche mit industrienahen Unternehmen und Zulieferern“, berichtete Dreier. Geplant sei ein Info-Flyer für die Wirtschaftsförderung.

„Wir sind offen für Ideen und neue Wege“

Mit dem neuen Technologiezentrum eröffneten sich zudem Möglichkeiten für den Aufbau von Forschungskooperationen. „Wir sind offen für Ideen und neue Wege“, fügte Bode hinzu. Und auch als Ausbildungsstandort könne mit regionalen Kooperationen die Ausbildung vor Ort gestärkt werden. In einem Ausbildungsverbund könne Wintershall mit örtlichen Betrieben Fachkräfte für die lokale Wirtschaft ausbilden. Barnstorf werde zentrales Ausbildungszentrum des fusionierten Unternehmens und verfüge über modernste Werkstätten. Andere Firmen könnten diese beispielsweise für bestimmte vorgeschriebene Ausbildungsmodule nutzen.

Erste Kooperationen für einen Ausbildungsverbund gibt es bereits über die Muttergesellschaft mit der BASF Polyurethanes Lemförde. Außerdem werden weitere Kooperationen geprüft, etwa in der Öl- und Gasbranche. In diesem Zusammenhang hebt Wintershall den gemeinsamen „Tag der Ausbildung“ mit der Maschinenfabrik Lubing hervor. Bode: „Wir als Wintershall wollen einen Beitrag dazu leisten, dass hier Fachkräfte für die Region ausgebildet werden.“

Mitarbeiter stehen im Vordergrund

Lübbers begrüßt die Zusage, dass Barnstorf ein Ausbildungsstandort bleiben soll. Vor dem Hintergrund des Stellenabbaus gehe es nun darum, weitere kreative Gedanken zu entwickeln, wo es Möglichkeiten der Verbesserungen gebe. Im Vordergrund stünden ganz klar die Mitarbeiter, aber auch mögliche Auswirkungen auf den Ort und ansässige Unternehmen müssten berücksichtigt werden. Dabei gehe es beispielsweise um eine Nachnutzung des Verwaltungstraktes auf dem Wintershall-Gelände. „Es muss eine Folgenutzung für das Bürogebäude gefunden werden“, so der Samtgemeindebürgermeister.

„Die Entscheidung werden wir nicht mehr rückgängig machen. Die Fusion wird kommen, es werden Stellen abgebaut. Wir müssen versuchen, dass der Abbau so gering wie möglich ist“, so Lübbers weiter. Dafür will sich auch der Betriebsrat weiter starkmachen. „Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz, den wir vor Ort erhalten können“, untermauerte Brandt gestern im Gespräch mit dieser Zeitung.

Weiteres Gespräch im Mai oder Juni

Was der Arbeitnehmervertreterin große Sorge bereitet, sind die Stellen im technischen Bereich, sofern die heimische Förderung nicht mehr im gewohnten Umfang aufrecht erhalten wird. Darüber hinaus sei es wichtig, sozial verträgliche Lösungen zu finden. Bei älteren Mitarbeitern könne es vorzeitige Ruhestandsreglungen und ähnliche Instrumente geben. Das Hauptproblem sei aber die Situation von Mitarbeitern zwischen 30 bis 50 Jahren. „An der Arbeitsplatzsituation hat sich nicht viel geändert“, resümierte Brandt nach dem Gespräch im Rathaus.

An dem Treffen hatten neben den Fraktionsvorsitzenden aus dem Rat des Fleckens Barnstorf auch Kreisrat Jens-Hermann Kleine sowie die Bundes- und Landtagsabgeordneten Axel Knoerig und Marcel Scharrelmann teilgenommen. Laut Lübbers soll es im Mai oder Juni ein weiteres Gespräch geben. Bis dahin sollten weitere Ideen entwickelt werden. Zudem könnten dann genauere Informationen über die Neustrukturierung bei Wintershall vorliegen.

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