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23.06.2017

Wintershall gewährt Einblick in hochmoderne ErdölaufbereitungIm Tank kommt der Kreislauf in Schwung

kreiszeitung.de vom 23.06.2017

Barnstorf - Von Thomas Speckmann.
„Puh, ganz schön warm“, stöhnen die Vertreter der Samtgemeinde Barnstorf, als sie über das Betriebsgelände von Wintershall marschieren. In dickem Arbeitsanzug mit Helm und Schutzbrille ausgestattet, geraten die Gäste bei den sommerlichen Temperaturen schnell ins Schwitzen.

An einem Ort der Besichtigungstour macht das Thermometer dann einen weiteren Sprung in die Höhe. Durch eine Luke geht es in den mächtigen Öltank, der durch einen eineinhalb Meter breiten Ringraum begehbar ist. Hier kommt der Kreislauf in Schwung – und die Neugier erreicht ihren Siedepunkt. Denn wann haben Außenstehende schon die Möglichkeit, solche Anlagen aus nächster Nähe zu sehen?

Kein Schritt ohne Sicherheitskleidung

Deutschlands größter international tätige Erdöl- und Erdgasproduzent hat Vertreter von Samtgemeindeausschuss und Verwaltung sowie Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden zu einer Betriebsbesichtigung am Standort Barnstorf eingeladen. Es ist früher Abend, als die Gästeschar um Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers im Foyer ihre Besucherausweise erhält. Im Hause ist es zu dieser Stunde ungewohnt ruhig. Der Großteil der etwa 300 Mitarbeiter hat Feierabend. Die Gruppe kann sich also frei bewegen, ohne die Abläufe zu stören.

Doch Sicherheit wird großgeschrieben. Das zeigt sich nicht nur an der komfortablen Schutzkleidung, sondern auch an einer Tafel mit Fluchtwegen, die Hausherr Dr. Andreas Scheck gleich zu Beginn seines Vortrags erläutert. Anschließend kommt der Leiter von Wintershall Deutschland zur Sache. Im Mittelpunkt steht die Erdölaufbereitung, die in den zurückliegenden drei Jahren aufwendig erneuert worden ist. Zwölf Millionen Euro hat das Unternehmen in die Anlage investiert.

„Eine der modernsten Anlagen in Deutschland“

„Ich bin ganz froh, dass wir das durchziehen durften. Bei anderen Firmen wäre vorher die Reißleine gezogen worden“, meint Scheck. Hintergrund ist der starke Preisverfall bei Öl und Gas, der dem Unternehmen zu schaffen macht. Angesichts dieser Entwicklung seien die Investitionen nicht selbstverständlich gewesen. Doch der Vorstand der BASF-Tochter habe an den Plänen festgehalten. Damit sei die Grundlage für weitere Bohrungen und Förderungen geschaffen worden.

Was auf dem Werksgelände an der Rechterner Straße entstanden ist, entspricht nach Unternehmensangaben dem neuesten Stand der Technik. „Eine der modernsten Anlagen in Deutschland“, sagt Alexander Steigerwald, der als Betriebsleiter Produktion Nord mitten im Geschehen ist. Wintershall sei wohl das einzige Unternehmen, dass die neuen Vorgaben im Umgang mit wassergefährdenden Stoffen schon vor Inkrafttreten am 1. August umgesetzt habe.

Ferngesteuerter Molch flitzt täglich durch die Rohre

Doch mit rechtlichen Rahmenbedingungen wollen die Unternehmensvertreter ihre Gäste nicht auf die Folter spannen. Schluss mit der Theorie, es geht raus in die Praxis. Erste Station auf dem Rundgang ist ein massives Rohr, das aus dem Boden sprießt und an das Netz der Aufbereitungsanlage gekoppelt ist. Hier kommt es an, das schwarze Gold aus den Erdölfeldern Düste und Bockstedt, wo vor mehr als sechs Jahrzehnten die ersten Bohrungen getätigt wurden.

Die Leitung ins Erdölfeld Düste hat Wintershall im vergangenen Jahr umfangreich erneuert. Die zusätzliche Isolierung soll sich bereits bemerkbar machen. Sie hält den Wärmeverlust des Öls so gering wie möglich und damit auch die Ablagerung von Paraffin. Dennoch muss ein ferngesteuerter Molch täglich durch die Rohre flitzen, damit es auf Dauer nicht zu Verstopfungen kommt. „Im letzten Winter hat es keine Komplikationen gegeben“, stellt Scheck fest.

Vier moderne Tanks anstelle zwölf veralteter Behälter

Dann richten sich die Blicke auf die großen Behälter. Wo einst zwölf Tanks nötig waren, stehen jetzt vier moderne Tanks. Die beiden Öltanks haben ein Fassungsvermögen von jeweils 1 500 Kubikmetern, die Wassertanks sind mit 2 500 Kubikmeter fast doppelt so groß. Die massiven Lagerbehälter wirken recht trostlos, doch Betriebsleiter Steigerwald weiß: „Von außen sieht es ziemlich einfach aus, aber es steckt viel Engineering drin.“

Von dem Innenleben der Öltanks können sich die Gemeindevertreter persönlich überzeugen. Es heißt: Hereinspaziert. Beim Betreten des Ringraums kommt der doppelwandige Charakter zum Ausdruck. Sollte ein Leck auftreten, wird die Flüssigkeit in dem Stahlmantel aufgefangen. Auch das Löschwasser soll sich hier im Brandfall sammeln, ohne die Umgebung zu belasten. Großflächige Auffangwannen sind hier überflüssig. Weiterer Vorteil dieser Bauart: Überwachung und Wartung sind leicht zu händeln. Die Wassertanks haben eine etwas andere Konstruktion. Hier befindet sich zwischen Innen- und Außenhülle ein Vakuum, das mit technischen Hilfsmitteln überwacht wird.

Energieeffizienz soll zusehends gesteigert werden

„Alles doppelt und dreifach gesichert“, staunt Ratsvertreter Fredy Albrecht über die moderne Technik. Die Sicherheitsvorkehrungen der Anlagen seien überhaupt nicht mit dem zu vergleichen, was teilweise in internationalen Fernsehreportagen zu sehen sei. Der Barnstorfer kennt das weitläufige Betriebsgelände noch aus früheren Jahren. Sein Vater hat damals für Wintershall gearbeitet. Da hat auch das alte Gasometer noch gestanden, das inzwischen ebenfalls durch ein neues Modell ersetzt worden ist.

Was Bürgermeisterin Elke Oelmann neben dem hohen Maß an Sicherheit und Umweltschutz ins Auge fällt, ist das Engagement auf dem energetischen Sektor. „Das kann man erwarten, aber es auch wichtig, um für die Zukunft aufgestellt zu sein“, sagt die Grüne. Ihr Blick richtet sich auf die zwei Blockheizkraftwerke. Die Abwärme werde für die Produktion genutzt, berichten die Unternehmensvertreter. Um die Energieeffizienz zu verbessern, sollen auf lange Sicht auch Betriebsgebäude versorgt werden.

Doch wohin führt die Reise bei der Produktion von Erdöl? Nach den erfolgversprechenden seismischen Messungen sind im Feld Bockstedt noch in diesem Jahr vier weitere Bohrungen geplant. „Wir wollen im September loslegen“, kündigt Scheck an. Er ist zuversichtlich, dass das Unternehmen dann auch zeitnah mit der Förderung beginnen kann, selbst wenn der Ölpreis nur bei rund 50 Dollar pro Barrel liegt. Das sei der Stand, mit dem die Lieferanten wohl erst mal leben müssten, meint der Wintershall-Leiter stirnrunzelnd.

Kommune steht hinter Wintershall-Plänen

Zurzeit belaufe sich die heimische Förderung von Nassöl auf etwa 2000 Kubikmeter pro Tag. Daraus ließen sich etwa 80 bis 85 Kubikmeter Öl gewinnen, berichtet Scheck auf Nachfrage. Ziel sei es, mit den neuen Bohrungen in eine Größenordnung von 120 bis 130 Kubikmetern vorzustoßen („150 wären umso besser“). Dann wären die Kapazitäten der Erdölaufbereitung nahezu ausgelastet und auch die modernisierte Verladestation für die Kesselwagen käme auf Hochtouren.

In Sachen Erdgas ist die aktuelle Situation schwierig. Hier seien die Preise noch signifikanter gefallen, sodass kaum neue Bohrungen möglich wären, sagt Scheck. Was das Projekt „Düste Z10“ betrifft, befindet sich Wintershall in Wartestellung. Das neue Fracking-Gesetz ermöglicht zwar die konventionelle Förderung, doch die Details für das Antragsverfahren lassen auf sich warten. Bisher habe das Unternehmen 16 Millionen Euro investiert, aber nichts davon gehabt.

Die Kommune steht hinter den Plänen von Wintershall. Das hat der zweieinhalbstündige Besuch auf dem Betriebsgelände noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht. „Wir haben Einblicke bekommen, die wir bisher nicht hatten, und hoffen auf eine positive Entwicklung der neuen Projekte“, sagt Lübbers. Bezeichnend: Zum Abschluss posieren die Gäste mit den Unternehmensvertretern vor dem Logo der Samtgemeinde Barnstorf. Es ziert einen der großen Tanks und soll die gute Verbindung zwischen Kommune und Wintershall symbolisieren.

Quelle: kreiszeitung.de