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16.08.2016

"Schauen, wo genau wie viel Erdöl liegt"Interview mit Oliver Ritzmann, Geophysiker und Projektleiter bei Wintershall Deutschland

Schwäbische.de vom 16.08.2016

Steinhausen an der Rottum/sz Wochenlang waren Mitarbeiter der Firma Wintershall vergangenes Jahr in Oberschwaben unterwegs, um herauszufinden, ob sich eine Wiederaufnahme der Erdölförderung in den ehemaligen Fördergebieten Mönchsrot, Oberschwarzach und Hauerz lohnt. Im Interview mit SZ-Redakteurin Katrin Bölstler erklärt Oliver Ritzmann, Geophysiker und Projektleiter bei Wintershall Deutschland für die seismischen Messungen in Oberschwaben, warum es noch eine Weile dauern wird, bis erste Ergebnisse vorliegen werden.

Herr Ritzmann, die Daten, die die Firma Wintershall vor einem halben Jahr in unserer Region seismisch erhoben hat, liegen inzwischen bei Ihnen. Was machen Sie mit diesen Daten?

Zunächst wurden die gesammelten Daten mit Computerunterstützung bearbeitet. Die einzelnen, von Geophonen aufgenommenen Signale müssen sortiert werden, das heißt alle Aufzeichnungen werden von einem Computer zusammengefasst und aufsummiert. Diesen Prozess haben wir im Juli abgeschlossen. Jetzt analysieren unsere Geologen und Geophysiker die Ergebnisse. Sie schauen, wo in den Erdölfeldern der Region gegebenenfalls noch Erdölvorkommen liegen. Das wird noch etwa ein halbes Jahr dauern. Erst dann können wir zuverlässig sagen, ob Wintershall eine Probebohrung durchführen wird und die Pferdekopfpumpen möglicherweise in die Region zurückkehren.

 

Warum dauert es so lange, bis erste Ergebnisse vorliegen?

Wir haben von Oktober bis Weihnachten 2015 ein Gebiet von über 100 Quadratkilometern seismisch vermessen. Die Signale der Seismik wurden über viele Geophone aufgezeichnet und die entstandenen Daten müssen zunächst gemeinsam verarbeitet und verknüpft werden. Insgesamt ist das eine riesige Datenmenge, aus der wir ein dreidimensionales, hochauflösendes Bild der bekannten Erdölfelder erstellen. Daran schließt sich die Interpretation der Seismik und die Simulation des Erdölfeldes am Computer an. Grundsätzlich dauert die Auswertung einer seismischen Messung etwa ein Jahr. Sorgfalt geht vor Geschwindigkeit.

Unter welchen Voraussetzungen lohnt sich die Wiederaufnahme der Erdölförderung?

Unser Ziel ist es, die Wiederaufnahme der traditionellen Erdölförderung in der Region zu prüfen. Das Erdöl vorhanden ist, wissen wir. Denn wir hatten ja ein produzierendes Feld. Es geht jetzt darum, zu schauen, wo genau noch wie viel Erdöl liegt. Oder anders gesagt: Wo exakt wir bohren müssen, um das Erdöl fördern zu können. Vor etwa 20 Jahren haben wir die letzten Pferdekopfpumpen zurückgebaut. Die Ergebnisse der dreidimensionalen, hochauflösenden seismischen Messung ermöglicht es uns jetzt, das vorhandene Potenzial in den Erdölfeldern der Region, wie zum Beispiel beim Feld Mönchsrot besser einzuschätzen. Nur so können wir mögliche Bohrungen exakt bestimmen und sagen, ob eine Erdölförderung wirtschaftlich sein kann.

Quelle: Schwäbische.de

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