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10.10.2014

Ölbohrungen im Unterallgäu – Ein Hauch von TexasDie Region um Bedernau galt über 30 Jahre lang als größtes Ölfeld in Bayern – und soll es nun wieder werden. 

Josef Seitz schaltet in den dritten Gang und drückt aufs Gaspedal. Die Kiesel knirschen unter den Felgen seines Geländewagens. Maisfelder rechts, Wiesen links – keine Häuser weit und breit. Man könnte für einen kurzen Moment meinen, man sei irgendwo im tiefen Texas. Und Josef Seitz, mit seinem Schnauzer und seinem sonnenverbrannten Gesicht, würde auch gut als Cowboy durchgehen. Nur das ist nicht Texas/USA, sondern Bedernau im Unterallgäu. Und Seitz hütet keine Kühe auf einer Ranche, sondern arbeitet als Brückenbauer und engagiert sich nebenher als dritter Bürgermeister in der Gemeinde Breitenbrunn.

Josef Seitz stoppt den Wagen und zeigt auf die Mitte einer großen Wiese mit Fichtenbäumen am Hügelrand. “Hier war die Sammelstelle. Damals, als die Wintershall bei uns noch Öl gefördert hat”, sagt er. Man sieht nur Wiese. “Meine ganze Kindheit über hat hier ein Feuer gebrannt”, sagt er. Eine 70 Zentimeter hohe Flamme auf einem fünf Meter langen Rohr – Tag und Nacht über Jahrzehnte hinweg. Verbrannt wurde überschüssiges Gas, für das man damals bei der Gewinnung von Erdöl keine Verwendung hatte.

Damals. Es geht um die Zeit von 1964 bis 1994. Die wenigsten wissen, dass damals im Unterallgäu, in der Region um Bedernau, mehr als 30 Jahre lang Erdöl aus dem Boden gepumpt wurde. Und zwar eine ganze Menge: rund zwei Millionen Tonnen – die Gegend um Bedernau ist Bayerns größtes Ölfeld. Viele Menschen aus der ganzen Republik kamen in das 600-Einwohner-Dorf, pachteten Land von den Maisbauern, verlegten Rohre und bauten 30 Meter hohe Öl-Türme in die grüne Landschaft aus Hügeln und Wäldern.

Die Förderung lohnte sich nicht mehr

Dann, in den frühen Neunzigerjahren, fiel der Ölpreis auf 15 Dollar pro Barrel. Für die Firma Wintershall lohnte sich die Förderung nicht mehr. Die 1500 Meter tiefen Bohrlöcher wurden mit Gips und Zement aufgefüllt, die Rohre, Pumpen und Lastwagen verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren. Wo früher das Gas-Feuer brannte, sieht man heute nur noch Wiese.

Jetzt allerdings, gut zwanzig Jahre nachdem der letzte Tropfen Öl aus dem Boden kam, könnte es in Bedernau wieder losgehen. Der Ölpreis steht mittlerweile bei 95 Dollar pro Barrel, es gibt neue effektivere Fördermethoden. Und die Prognosen von Geologen sind vielversprechend.

Etwa 300 Meter von der ehemaligen Sammelstation entfernt auf einem Stück Wiese am Waldrand steht nun ein kleines umzäuntes Areal voller Container, Rohre und Lkw. Wintershall ist wieder da: Bedernau 2 heißt die Station. Während der vergangenen drei Wochen wurde hier ein Loch gebohrt. 1495 Meter tief in den Boden. Von November an startet die Test-Förderphase und bis Anfang kommenden Jahres wird sich herausstellen, ob um Bedernau herum wieder großflächig Erdöl gefördert werden wird.

“Der Duft der großen weiten Welt”

Alfons Biber jedenfalls würde es freuen. Biber war bis Mai dieses Jahres Bürgermeister der Gemeinde Breitenbrunn. Er erinnert sich noch genau. “Damals, 1964, als die Wintershall kam, da wehte hier der Duft der großen weiten Welt. Das war wie in Texas”, sagt der pensionierte Bürgermeister und lacht. 50 bis 60 Arbeiter aus dem hohen Norden, die sich bei Schichtende immer in der Dorfkneipe getroffen hätten. Aufregend sei das gewesen: Die Öl-Arbeiter hätten alle Hochdeutsch gesprochen, sie hatten viel Geld und konnten tanzen. “Die haben uns die Mädels weggeschnappt”, sagt er. Biber erinnert sich auch daran wie die Männer “ihr Becks-Bier” eingeflogen hätten, weil ihnen das bayerische nicht geschmeckt habe. “Dieses widerliche herbe nordische Bier”, sagt Alfons Biber und lacht ungläubig.

Auch Albert König spricht gerne über damals. “Für mich war das wie ein Sechser im Lotto”, sagt der 63-jährige Rentner. Er habe in der Region bleiben wollen zum Arbeiten und am 1. Mai 1978 als Bohrmeister bei Wintershall angefangen. Als 1995 Schluss war mit dem Öl, musste Alfons König nach Libyen zum Arbeiten: 3000 Kilometer weg von zu Hause in die Sandwüste. Seine Familie sah er nur noch alle vier Wochen.


“Wir freuen uns, wenn’s wieder losgeht”

Nicht nur Arbeitsplätze seien damals entstanden, auch die Infrastruktur habe sich verbessert, sagt Jürgen Tempel, der amtierende Bürgermeister. “Unsere ganze Gemeinde hat von Wintershall profitiert. Wir freuen uns, wenn’s wieder losgeht”, so Tempel. Deshalb habe es auch jetzt bei den Probebohrungen im vergangenen Monat keinen Protest aus der Bevölkerung gegeben. “Die kennen das schon. Und die Leute von Wintershall haben sehr frühzeitig informiert”, sagt er.

Bedernau fiebert. Und die regionale und überregionale Presse scheint mitzufiebern: “Dallas im Allgäu” titelte jüngst die Bild-Zeitung zu den Probebohrungen, und die Augsburger Allgemeine schreibt: “Im Unterallgäu ist das Öl-Fieber wieder ausgebrochen”. Wer wissen will, wie sich das dann tatsächlich anfühlt mit dem Öl-Fieber, der muss ins 52 Kilometer entfernte Großaitingen bei Augsburg fahren.

Von Öl-Fieber keine Spur

Hier betreibt die Wintershall AG seit dem Jahr 1979 eine Sammelstation. Die Förderung läuft nach wie vor. Große 1000-Liter-Tanks stehen hier, auf 50 Grad Celsius erhitzt, um das Öl von Wasser und Gas zu trennen. Zum Erhitzen wird das Gas genutzt, das bei der Separation gewonnen wird. Verbrannt, wie damals noch in Bedernau, wird hier nichts mehr.

Jürgen Mahr, der stellvertretende Betriebsleiter, begrüßt mit festem Händedruck. Er wirkt freundlich und bestimmt. Vom Öl-Fieber aber keine Spur. Jürgen Mahr spricht lieber nüchtern über technische Details. “Die Seismik in Bedernau ist vielversprechend”, sagt er und meint damit die geologischen Voruntersuchungen. Mehr wisse man zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Jedes Jahr werden annähernd 2,6 Millionen Tonnen Erdöl in Deutschland gefördert, Wintershall ist der größte Förderer in der Bundesrepublik. Zwar deckt die gesamte Förderung nur rund drei Prozent des Bedarfs, aber: “Das entspricht immer noch der Menge, die Deutschland jedes Jahr aus Saudi-Arabien importiert”, sagt Mark Krümpel, der Wintershall-Sprecher. Und jedes Barrel, das in Deutschland gefördert werde, sei gut für die Versorgungssicherheit. Jürgen Mahr nickt und stellt ein kleines Fläschchen mit schwarzer Flüssigkeit auf den Tisch. “Aitingen Blend” – steht darauf. “Geringe Viskosität”, sagt er. Das bedeutet: Das Erdöl aus Aitingen ist dünnflüssig und deshalb gut zu fördern.

Das Öl ist gut zu fördern

Ob es ein “Bedernau Blend” geben wird oder nicht, ist Josef Haug egal. Der 56-jährige Polizist wohnt ein paar hundert Meter von Bedernau 2 entfernt. Wintershall ist seit einigen Wochen sein neuer Nachbar geworden. Er hofft, dass die Förderung die Wasserqualität seines Brunnens nicht beeinflusst und findet schade, dass durch die Probebohrungen am Waldrand alle Rehe verscheucht werden. Er ist Jagdpächter. “Ansonsten stehe ich dem ganzen neutral gegenüber”, sagt Haug. Die Bohrungen seien nicht besonders laut gewesen.

Josef Seitz schaltet in den Rückwärtsgang, parkt seinen Geländewagen und zieht den Zündschlüssel ab. Er zuckt mit den Schultern: “Ja mei”, sagt er. “Wenn’s beim Josef die Rehe verscheucht, ist des blöd, klar. Aber für zukünftige Generationen wäre es fahrlässig, sag ich, wenn wir die Bodenschätze, die wir haben, gar nicht nutzen.” Vor seinem Wagen erstrecken sich nun nicht mehr die endlosen Weiten von Allgäus Texas, sondern die Naturheiltherme Bedernau. Ein kleiner Holzbau. Zwei Becken, eines davon mit 34 Grad warmem Heilwasser. Das Wasser kommt aus 570 Metern Tiefe.

Entdeckt wurde es durch eine der Erdöl-Bohrungen. Hier schwimmen nun Rentner aus Bedernau und Region, lesen Zeitung, manche von ihnen sitzen in der Herbstsonne und warten, dass es wieder losgeht mit dem großen Öl-Boom. Einen Vorgeschmack darauf gibt’s jedenfalls bereits im Laufe der Woche. Da rollen dann 50 Lkw in das 600-Einwohner-Dorf und transportieren Material für die Wintershall. Für einen Moment klingt Bedernau vielleicht ein bisschen nach schwarzem Gold, nach Texas. Und der Wind der großen weiten Welt, er weht wieder.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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