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18.01.2017

Kribbelfüße bei der ErdölsucheGestern Vormittag hat die Deutsche Montan Technologie im Auftrag von Wintershall mit seismischen Messungen im Erdölfeld Landau begonnen.

Die Rheinpfalz vom 18.01.2016

In Hainfeld bebt die Erde, aber niemand nimmt davon Notiz. Gestern Vormittag hat die Deutsche Montan Technologie im Auftrag von Wintershall mit seismischen Messungen im Erdölfeld Landau begonnen: Vibrationsfahrzeuge senden Signale in den Untergrund, Geophone zeichnen die Echos auf.

Wintershall hat aus dem Feld Landau in gut 60 Jahren schon 4,5 Millionen Tonnen Rohöl gefördert. Damit ist die Lagerstätte noch lange nicht erschöpft. Die Frage ist nur, wo das Unternehmen in den nächsten Jahren bis zu zehn neue Bohrungen anlegt, um den wertvollen Rohstoff zu fördern. Gestern hat die Suche im südlichen Zipfel von Hainfeld begonnen. Der große Aufwand dafür verhält sich umgekehrt proportional zum Erregungszustand der Bürger: Niemand schaut zu, niemand echauffiert sich. 

Es ist später Vormittag, ein Pickup mit Warnblinklicht biegt von der Weinstraße in die Karl-Stein-Straße ab, gefolgt von einem kleinen, weiß-roten Speziallastwagen und einem weiteren Pickup. Die kleine Kolonne überquert den Modenbach und stoppt unmittelbar hinter der Brücke. Exakt an einem gelben, auf die Straße gesprayten Punkt, wo ein Einweiser mit einem Fähnchen winkt.

Der Fahrer des Vibrationslastwagens senkt einen hydraulischen Stempel auf die Fahrbahn ab, dann gibt es ein leichtes Brummen und ein minimales Kribbeln in den Füßen, viermal hintereinander, jeweils zwölf Sekunden lang. Das war's. 25 Meter weiter der nächste Halt, das nächste Brummen. Der Bagger in der benachbarten tiefen Baugrube und die Sattelschlepper, die den Erdaushub abtransportieren, sind lauter.

Ein Winzer tritt aus seinem Wirtschaftsgebäude in den Hof, 20 Meter vom Sträßchen entfernt. Hat er was gemerkt? Nein, nichts, sagt er und schüttelt den Kopf. Die Frage kommt ihm so überflüssig vor, dass er nicht mal seinen Namen nennen will. Ein DMT-Mitarbeiter hat an der Haustür des Weinguts ein Messgerät aufgestellt. Er muss sicherstellen, dass bei der Vibration keine zu starken Schwingungen am Haus auftreten. Fünf Millimeter pro Sekunde wären zulässig. 0,03 hat er aufgezeichnet. Nebenan am Theodor-Hof, der dichter an der Straße steht, sind es 0,41 - auch noch weit entfernt vom Grenzwert. Entsprechend entspannt ist auch Karl Keilen (CDU), der Bürgermeister von Bornheim. Sein Gemeinderat wird Ende Januar entscheiden, wie er zu den Vibromessungen steht. 

"Die Bedingungen sind ideal", sagt Tobias Fuhren von Wintershall. Der gefrorene Boden überträgt das Schallsignal gut, außerdem kann der Vibrolaster auf unbefestigten Weinbergswegen keine Schäden anrichten. Risse an Gebäuden hält Fuhren für ausgeschlossen. 

Hainfeld liegt in der nordwestlichen Ecke des 58 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebietes. Nur an 15 Punkten innerorts wird "gewackelt". Und das auch nur mit dem kleinsten Fahrzeug, das 4,5 Tonnen wiegt. Das soll Anwohnern und Gemeinderäten die Sorge nehmen, dass es Schäden an Häusern oder Kanälen geben könnte. Die Signale reichen nur wenige hundert Meter tief in den Boden. Das ist nicht ideal, bei der oberflächennah vermuteten Öl-Lagerstätte aber ausreichend, sagt Fuhren. Draußen im freien Feld fahren auch größere Vibrolaster, die tiefer in die Erdkruste brummen.

Als nächstes soll auf Edesheimer Gemarkung vibriert werden. Der Gemeinderat hat aber erst gestern Abend nach Redaktionsschluss darüber diskutiert, ob er das überhaupt erlauben und ob er dafür Auflagen machen will. Bis Ende Februar will sich die Deutsche Montan Technologie GmbH (DMT) von Norden nach Süden durchs Untersuchungsgebiet vibriert haben. Schluss ist im Südosten des Untersuchungsgebiets, südlich von Offenbach. 9000 Vibrationspunkte sollen dafür nach und nach abgefahren werden. Sie sind mit gelben Punkten auf dem Asphalt oder mit rosa Holzstöckchen am Fahrbahnrand markiert. 7000 Geophone, also Mikrofone, die in die Erde lauschen, müssen dafür verlegt werden. Die kabellosen Geräte, die in stabile gelbe Plastikdosen eingebaut sind, zeichnen die Echos der Schallwellen auf. Das funktioniert ähnlich wie das Ultraschallgerät beim Arzt oder das Echolot in der Seefahrt. Aus Laufzeit und Stärke der Echos können Experten ein dreidimensionales Modell des Untergrunds errechnen. "Wir sehen nicht, ob es im Untergrund Öl oder Wasser gibt. Wir sehen nur die geologischen Strukturen, wo solche Vorkommen wahrscheinlich sind", erläutert Tobias Fuhren. Heute sind noch 65 von einst 200 Bohrungen in Betrieb. Aber irgendwann in den kommenden Jahren könnten weitere Pferdekopf-Pumpen im Erdölfeld Landau nicken. 

Quelle: Die Rheinpfalz