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02.04.2013

Joachim Pünnel, Leiter Wintershall Deutschland: Potenzial von Schiefergas erforschenDer Leiter von Wintershall Deutschland plädiert für einen offenen Umgang mit der Erforschung von Schiefergas. Dies soll auch durch verstärkten Dialog mit der Bevölkerung gefördert werden.

Die Wintershall macht sich für die Erforschung unkonventioneller Ressourcen wie Schiefergas stark. Es sei besser, die Fördertechnologie Fracking unter strengen Auflagen weiterzuentwickeln, statt sie pauschal zu verbieten, sagt Joachim Pünnel, Leiter Wintershall Deutschland. Man wolle klar belegen, dass Fracking das Grundwasser nicht verunreinige. Ein Interview in der TAM – Nachrichten für die Versorgungssicherheit.

Herr Pünnel, Wintershall würde gerne in NRW erforschen, ob es möglich ist, wirt­schaftlich, sozial akzeptiert und umweltver­träglich Schiefergas zu fördern. Welche Rahmenbedingungen fordern Sie dazu? 

Wir begrüßen, dass die Bundesregierung ei­nen verlässlichen Rechtsrahmen für den künftigen Einsatz der Fracking-Technologie in Deutschland schaffen will. Bei Schiefer gas geht es ja darum, in die Forschung ein­zusteigen. Wir wollen herausbekommen, ob in Deutschland überhaupt wirtschaft­lich und ökologisch vertretbar Schiefergas gefördert werden kann. Dafür benötigen wir verlässliche Rahmenbedingungen. Wir befürworten eine Änderung des Bergrechts, wenn es darum geht, E&P-Aktivitäten wei­terhin in Deutschland zu ermöglichen. 

Was läuft in NRW?

In NRW hatten im September 2012 das Wirt­schafts- und das Umweltministerium die Studie “Fracking in unkonventionellen Erd­gas-Lagerstätten” veröffentlicht und einen Dialogprozess mit allen Beteiligten ange­kündigt. Im Rahmen dessen sollen wissen­schaftliche Erkundungsbohrungen möglich sein, um die Erkenntnislücken zu schließen. Wintershall hat dafür die Erlaubnis zu geolo­gischen Erkundungen in zwei Gebieten er­halten. Die Konzessionen ”Rheinland” und “Ruhr” erstrecken sich über ein Areal von fast 4000 Quadratkilometern. Sie liegen zwi­schen der deutsch-niederländischen Grenze im Westen und dem Sauerland im Osten. Hier wollen wir forschen - ohne Tiefboh­rungen und ohne Fracking. Und auch erst, wenn die geplanten Gesteinsproben mit fla­chen Kernbohrungen auch genehmigt sind.

In Deutschland gehört Wintershall zu den wenigen Unternehmen, die sich öffent­lich für das unpopuläre Fracking stark ma­chen. Warum sind Sie dabei so hartnäckig?

Weil Wintershall und die deutsche E&P­-Branche bereits seit mehreren Jahrzehnten Erfahrungen mit Hydraulic Fracturing gesammelt haben – bei konventionellem und sogenanntem Tight Gas. Bei den rund 300 in Deutschland durchgeführten Fracks ist es bisher zu keinen Umweltschäden ge­kommen. Wintershall selbst hat zudem umfangreiche internationale Erfahrungen mit Projekten in den Niederlanden, Russ­land und Argentinien, wie auch in Nie­dersachsen, gesammelt. Ich möchte beto­nen, dass wir die Bedenken der Menschen nicht beiseite wischen. Wir wollen noch stärker in den Dialog mit der Bevölkerung treten, um eine Versachlichung der gesell­schaftlichen Debatte zu erreichen.

Können Sie als BASF-Tochter nicht war­ten, bis es ungiftige Frackingmittel gibt?

Viele der aktuell verwendeten Zusatzstoffe, die ja nur rund 1% des Gesamtgemisches ausmachen (etwa 99% sind Wasser und Sand oder andere Stützmittel), sind Bestandteile von Alltagsprodukten wie etwa Verdickungsmitteln von Speisen, Waschmitteln, Kosmetika oder Seifen. Die Konzentration dieser Stoffe in der Frac-Flüssigkeit ist so gering, dass die Frac-Flüssigkeit als Ganzes wie auch die Einzelstoffe maximal der geringen Wassergefährdungsklasse 1 entspricht. Den­noch: Je weniger und je umweltverträglichere Zusatzstoffe zum Einsatz kommen, desto besser. Daher unterstützt Wintershall die Optimierung der Frac-Flüssigkeit mit einer noch geringeren Anzahl chemischer Kom­ ponenten. Allein schon aus Kostengründen haben wir ein großes Interesse daran, den Einsatz von chemischen Additiven zu verrin­gern. Eines möchte ich betonen: Die deutsche Erdgasproduktion ist rückläufig, sie ist allein im vergangenen Jahr um 10% gefallen. Deutschland deckt nur noch 12% des Be­darfs aus heimischer Förderung. Vor zehn Jahren waren es noch 20%. Es besteht also Handlungsbedarf, wenn Deutschland nicht vollkommen abhängig von Importen sein will. Daher ist ein Einstieg in die Erforschung der Schiefergasförderung ein richtiger erster Schritt. Zugleich sollte die Erschließung von konventionellen Tight-Gas-Vorkommen, die auch Fracking erfordert, weiter möglich sein, um den Rückgang der heimischen Förderung abzubremsen.

Die herkömmliche Erdgasförderung in Deutschland hat es seit der Fracking­ Debatte schwerer, Projekte durchzusetzen. Gibt es dazu Diskussionen in der Branche?

Natürlich beschäftigt uns das sehr. Seit Mitte 2011 ist kein Antrag mehr für den Einsatz von Hydraulic Fracturing bei konventio­nellem Tight-Gas, also der Erschließung von Gasvorkommen in sehr dichtem Sandstein, genehmigt worden. Und das, obwohl wir bei der Tight-Gas-Förderung über eine 30-jäh­rige Erfahrung verfügen und damit den Rückgang der heimischen Gasproduktion verlangsamen könnten.

Sie haben den Bogen von Fracking zur Energiewende geschlagen. Fracking macht Gas als EE-Partner doch sehr teuer?

Worum geht es bei der Energiewende? Es geht um eine nachhaltige Energieversor­gung und die Senkung der C02-Emissi­onen. Daher baut Deutschland die Erneu­erbaren aus. Dennoch steigen die C02- Emissionen, weil wir mehr Strom in Kohlenkraftwerken erzeugen. Mehr Kon­zentration auf Erdgas in der Stromerzeu­gung ist eine intelligente Lösung, weil hier die C02-Emissionen deutlich geringer sind. Ob hier auch Schiefergas eine Rolle spielen wird, müssen unsere Forschungsergebnisse zeigen. Zu welchen Kosten dieses unkon­ventionelle Gas in Deutschland gefördert werden kann, ist ja noch offen.

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