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04.11.2015

Energiekonzern bohrt gegen den TrendDas hat es lange nicht gegeben: Bei Rodewald (Kreis Nienburg) soll am nächsten Wochenende eine Probebohrung nach Öl beginnen, und das, obwohl die Förderung in Niedersachsen seit Jahren abnimmt.

HAZ vom 03.11.2015

Rodewald. Das hat es lange nicht gegeben: Bei Rodewald (Kreis Nienburg) soll am nächsten Wochenende eine Probebohrung nach Öl beginnen, und das, obwohl die Förderung in Niedersachsen seit Jahren abnimmt. Auf einer 90 mal 90 Meter großen Asphaltplatte wächst zurzeit inmitten von Ackerflächen ein Bohrturm bis auf 52,5 Meter Höhe. Betreiber Wintershall lud die Anwohner vorab zur Besichtigung ein; rund 120 kamen und bestaunten die Technik. "Wir brauchen das Öl, warum sollen wir es nicht hier aus der Erde holen?", sagt Norbert Sommerfeld, stellvertretender Bürgermeister des Ortes. 

Zwischen 1949 und 1994 wurden in Rodewald schon 3,4 Millionen Tonnen Öl gefördert. Nach zweimonatigen Probebohrungen bis in 2400 Meter Tiefe soll ein sechsmonatiger Fördertest jetzt zeigen, ob sich die Ausbeute im Feld Suderbruch mithilfe einer mittlerweile effektiveren - horizontalen - Bohrtechnik wieder lohnt. Den Einsatz von Fracking, das Aufbrechen von Gestein per Wasser-Sand-Chemikalien- Gemisch, schließt Wintershall aus. "Das ist bei Öl in porösem Kalksandstein kein Thema", sagt Sprecher Mark Krümpel. Wintershall bohrt in Rodewald gemeinsam mit Exxon Mobil gegen den Trend. "Es liegen keine weiteren Anträge für neue Erdölbohrungen vor", sagt ein Sprecher des Landesamtes für Bergbau und Energie (LBEG) in Hannover. Seit 2000 habe es acht Erdölsuchen gegeben, keine sei erfolgreich gewesen. Das LBEG hat in der Zeit des hohen Ölpreises zwischen 2011 und 2014 auf Antrag mehrere neue Konzessionen zum Wiederaufschluss alter Erdöllagerstätten vergeben. Daraufhin folgten allerdings bislang keine Bohrungen. Die kanadische Firma PRD Energy hat sogar im August ihre gesamten Konzessionen in Deutschland zurückgegeben - und dies mit der Unsicherheit durch die Fracking-Diskussion begründet. Bei Erdöl spielt diese Methode in Deutschland bisher so gut wie keine Rolle, wird für die Zukunft aber auch nicht ganz ausgeschlossen. Im Frühjahr hatte die Regierungskoalition in Berlin vorgeschlagen, Fracking unter bestimmten Voraussetzungen und mit strengen Umweltauflagen zu erlauben. Daran ist auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) gelegen. Ein Teil der Sozialdemokraten dagegen fordert wie die




Grünen ein Frackingverbot. Vorerst gilt ein Moratorium auch für "konventionelles" Fracking im grundwasserfernen tiefen Gestein. Obwohl die Energiebranche mit großen Einschränkungen zu rechnen hat, drängt sie auf eine gesetzliche Regelung. "Alle Fachfragen sind umfassend abgearbeitet und Kompromisse gefunden", meint Gernot Kalkoffen, Vorsitzender des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung. 

Neben der Fracking-Diskussion spielt der Ölpreis auf dem internationalen Markt eine entscheidende Rolle. Bis Ende der Neunzigerjahre, als der Preis pro Barrel bei nur noch 10 Dollar lag, war die Förderung vielerorts eingestellt worden; angesichts relativ geringer Ausbeute lohnte sich das Hochpumpen nicht mehr. Vor zwei Jahren stieg der Ölpreis dann auf 80 bis 90 Dollar pro Barrel, mittlerweile ist er auf etwa die Hälfte davon gesunken. Wintershall will zwar seine Ölfelder in der Grafschaft Bentheim und im Kreis Diepholz erweitern. Geplante Investitionen von Hunderten Millionen Euro aber tätige das Unternehmen allein in Niedersachsen nicht, sagt Sprecher Krümpel.

Die Erdölförderung insgesamt ging 2014 um weitere 8 Prozent zurück. In der Steuerstatistik macht sich die Krise der Energieindustrie ebenfalls bemerkbar. Bis Ende September dieses Jahres nahm das Land Niedersachsen 257,3 Millionen Euro an Förderabgabe ein - 164,5 Millionen Euro (39 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum. Häufung von Leukämie: Die im August bekannt gewordene Häufung von Leukämiefällen bei Rodewald, die auf Dioxine aus der früheren Ölförderung zurückgeführt wird, spielte bei der Besichtigung nur am Rand eine Rolle. "Wir machen uns wegen der neuen Bohrung da keine Sorgen", sagt Samtgemeindebürgermeister Knut Hallmann. 

Das bei der Ölförderung entstehende Gas werde nicht mehr wie früher in die Luft geleitet, versichern auch Branchenvertreter.

Quelle: HAZ

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