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12.09.2016

Emlichheim wieder im „Öl-Rausch“Im Norden von Emlichheim schlummern noch Millionen Tonnen von Öl unter der Erdoberfläche. Die Firma Wintershall hofft, mit zwölf Bohrungen die seit 1943 bestehende Förderung noch über Jahrzehnte fortsetzen zu können.

Grafschafter Nachrichten vom 10.09.2016

Emlichheim. Geologen vermuten, dass das Erdölfeld Emlichheim einst mit 30 Millionen Tonnen des „schwarzen Goldes“ gefüllt war. Vor 73 Jahren begann die Firma Wintershall, diese Lagerstätte auszubeuten. Bislang habe man etwa elf Millionen Tonnen Erdöl gefördert, sagt Betriebsleiter Horst Prei. Und da ein solches Feld in der Regel zur Hälfte geleert werden könne, dürften die 120 aktiven „Pferdeköpfe“ noch rund vier Millionen Tonnen nach oben pumpen.

Sichtbares Zeichen der anhaltenden Goldgräberstimmung im „Texas der Niedergrafschaft“ ist ein 40 Meter hoher Bohrturm, der seit einigen Tagen an der Grenz-Aa thront. Eine Woche hat der Aufbau der mobilen Anlage gedauert, nun gräbt sich ein Meißel aus polykristallinem Diamant in die Tiefe. In 1000 Metern, so haben es die Geologen herausgefunden, lagert im noch viel Erdöl im Bentheimer Sandstein.

Der Rohstoff sprudelt aber nicht von alleine nach oben, im Gegenteil. „Das Erdöl ist sehr zäh. Wir machen es deshalb mit 300 Grad heißem Wasserdampf flüssig, sodass es gefördert werden kann“, erläutert Horst Prei. Seit den 1980er-Jahren setzt Wintershall diese Dampfflut-Technik in Emlichheim schon ein. Die Pferdekopf-Pumpen, die pro Tag bis zu 5000 Mal nicken, bringen auf diese Weise ein Gemisch zutage, das zu etwa 95 Prozent aus Wasser und nur zu fünf Prozent aus Erdöl besteht. Das Wasser wird zurückgepresst, das Erdöl in die Raffinerie geschickt.

Elf Tage dauert es, bis der Meißel zur Lagerstätte vorgedrungen ist. Diese liegt übrigens nicht immer senkrecht unter dem Bohrturm, sondern kann mehrere Hundert Meter davon abweichen. Die Verrohrung aus Stahl und Zement baut sich teleskopartig auf. Seit Mai 2015 ist Wintershall, eine Tochter der großen BASF, schon mit der Einrichtung der Bohrplätze beschäftigt. Mitarbeiter von etwa 20 Firmen arbeiten rund um die Uhr im Schichtbetrieb, viele kommen aus der Umgebung. Nach etwa drei bis vier Wochen zieht der Bohrturm weiter zur nächsten Bohrstelle – und macht einer Pferdekopf-Pumpe Platz.

Insgesamt sollen bis Ende März nächsten Jahres westlich der Ölstraße, die von Emlichheim nach Schoonebeek führt, zwölf neue Bohrungen gesetzt werden. Das lasse sich Wintershall gut 30 Millionen Euro kosten, sagt Horst Prei: „Wir setzen damit ganz klar auf diesen Standort. Emlichheim hat Zukunft. Wir erwarten, dass wir hier noch über Jahrzehnte fördern können.“ Das hänge jedoch nicht nur davon ab, wie gut die Lagerstätte gefüllt ist. Auch der Ölpreis spiele eine wichtige Rolle. Dass er langfristig so niedrig bleibt wie im Moment, erwartet Wintershall nicht.

Eine Besonderheit des Erdölfelds Emlichheim sei seine Ergiebigkeit, sagt Horst Prei. Die sei rekordverdächtig und eigentlich ein klarer Fall für das Guinness-Buch: „Es gibt weltweit kein anderes Erdölfeld, auf dem über einen so langen Zeitraum auf gleichbleibend hohem Niveau gefördert wird. Das ist höchst selten“, erzählt der Betriebsleiter. Die Bohrung „Emlichheim 1“ von 1943 sei zum Beispiel noch immer in Betrieb. Insgesamt hat Wintershall in Emlichheim im Laufe der vergangenen Jahrzehnte 260 Bohrungen gesetzt – die letzten vor vier Jahren. Und die waren so ergiebig, dass jetzt weitergebohrt wird.

Quelle: Grafschafter Nachrichten

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