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07.09.2012

Aktuell in der FAZ: Umstrittene Gasförderung – Lodernde Feuerbälle aus dem WasserhahnDie Meinungen zu Fracking gehen oft weit auseinander – nicht zuletzt, weil oft Negativ-Beispiele aus den USA zitiert werden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat sich nun mit dem Thema auseinander gesetzt.

(Quelle FAZ)

Wir lesen aktuell in der FAZ einen Artikel zur umstrittenen Erdgasförderung Fracking, am Beispiel der Wintershall-Betriebsstätte Düste Z10 am Standort Barnstorf. Ein Artikel, der erklärt, worum es beim Verfahren geht und mit vielen Vorurteilen aufräumt.

Eine frohe Botschaft grüßt den Gast. Das Werk Barnstorf der Wintershall, ein Zentrum der deutschen Öl- und Gasförderung, ist seit beinahe 1000 Tagen unfallfrei. Weil in der Branche stets mit dem Schlimmsten gerechnet wird, sind den Mitarbeitern die Sicherheitsregeln schon in Fleisch und Blut übergegangen. Im Treppenhaus gehen alle am Handlauf, auch Gäste lernen schnell diese Lektion. Wo es gefährlich werden könnte, werden die Autos nur rückwärts eingeparkt, damit der Fluchtweg frei ist. Im Freien schützen ein weißer Helm und Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen vor Gefahren.

Wenige Kilometer entfernt vom Werk im Landkreis Diepholz liegt der Bohrplatz Düste Z 10. Düste ist der Name der Gemarkung, das Z steht für Zechstein und die 10 für zehnte Bohrung, an der seit den fünfziger Jahren gearbeitet wird. Alles sieht unspektakulär aus. Hinter einem Gitterzaun zwischen Feldern ist ein Platz von 100 mal 100 Meter asphaltiert. Rund um das Innere des Platzes, wo eine hellgrün lackierte Rohrleitung aufragt. Den Außenrand des Platzes umläuft eine mit Gittern abgedeckte Rinne. Keinerlei Flüssigkeit soll jemals in die Bodenoberfläche gelangen. Selbst das Regenwasser wird aufgefangen und in doppelwandige Tanks gepumpt. Irgendwann kommt ein Saugwagen und pumpt das Wasser ab, um es in 1200 Meter Tiefe zu verpressen, wo es sicher lagert, unerreichbar weit entfernt vom Grundwasser.

Mit jedem „Frac“ geht ein Riss durch die Gesellschaft

Dem Bau des Platzes ging eine lange genehmigungsrechtliche Prozedur voraus. Die Wintershall erstellte einen Rahmenbetriebsplan, einen Bohrplatzbetriebsplan, einen Bohrbetriebsplan und schließlich einen Betriebsplan. Alle Pläne wurden der Bergbehörde vorgelegt, die sie mit der Gemeinde und dem Kreis, vor allem mit der Unteren Wasser- und der Naturschutzbehörde, abstimmt und Stück für Stück genehmigt. Das Unternehmen begann die Unterlagen im Sommer 2011 vorzubereiten und einzureichen. Im Oktober wurde der Rahmenbetriebsplan, im Januar die Bohrung genehmigt. Von Januar bis Mai wurde an der Bohrung gearbeitet.

Zunächst wurde ein Rohr mit großem Durchmesser bis auf 60 Meter in den Boden gerammt, um das Grundwasser vor Verschmutzung zu schützen. Dann wurden nacheinander fünf Rohre bis auf eine Tiefe von 4380 Metern verlegt, wo eine Temperatur von 165 Grad herrscht. Jedes neue Rohr ist etwas schlanker als das zuvor eingelassene und jedes einzementiert. Das dünnste und längste Rohr reicht schließlich von der Erdoberfläche bis in die Lagerstätte. Mit Sprengsätzen werden in der Tiefe kleine Löcher in das Rohr gesprengt, damit das Gas von allen Seiten einströmen kann. In 50 Meter Tiefe ist ein Sicherheitsventil installiert. Die Anlage ist für einen Betriebsdruck von 1000 bar zugelassen und bis zu einem Druck von 1500 bar getestet.

Weil das Gestein, in dem das Gas lagert, besonders fest und dicht ist, wird es in der Fachsprache als „Tight-Gas“ bezeichnet, das englische Wort für „dicht“. Weil die Gasvorkommen in dem luftdichten Stein eingeschlossen sind, hat die Wintershall bei der Bergbehörde beantragt, sieben „Fracs“ durchzuführen, das sind hydraulisch provozierte Risse im Stein, die das Gas befreien sollen. Andrea Scheck, Leiter „Operations“ bei der Wintershall, setzt auf eine Genehmigung noch in diesem Jahr.

Und mit jedem „Frac“ im Untergrund geht auch ein Riss durch die Gesellschaft. Der Film „Gasland“ des Amerikaners Josh Fox verunsichert viele Deutsche. Dort hält ein Mann ein Feuerzeug an einen Wasserhahn, aus dem daraufhin ein lodernder Feuerball aus Wasser und Gas platzt. Der Kameramann fährt erschrocken zurück und ruft: „Jesus Christus!“

In Niedersachsen wurde 1961 das erste Mal „gefrackt“

Für jeden „Frac“ wird Flüssigkeit unter hohem Druck in gasführende Schichten gepumpt. Die Flüssigkeit bricht das Gestein, damit das Gas austreten und gefördert werden kann. Die Risse sind höchstens drei bis fünf Millimeter weit, sagt Rochus Rieche, Leiter des Referats „Bergaufsicht, Betriebsüberwachung, Gefahrenabwehr“ im Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover. Die Risslänge gibt er mit etwa 100 bis 200 Meter an. In geringen Tiefen verläuft der Riss eher horizontal, in großen Tiefen eher vertikal. Damit die Risse geöffnet bleiben und das Gas strömen kann, wird die „Frac“-Flüssigkeit speziell gemischt. Ihre Grundsubstanz, sagt Kurt Reinicke, bis vor wenigen Monaten der Leiter des Instituts für Erdöl- und Erdgastechnik an der TU Clausthal, ist Wasser, das Sand oder Keramikkügelchen enthält, die sich im Riss festsetzen und verhindern sollen, dass er sich wieder schließt. Außerdem werden spezielle Gele und Enzyme in das Wasser gemischt.

Lesen Sie den gesamten Artikel und viele Diskussionen von Lesern auf der Homepage der FAZ

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