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26.10.2012

40 Milliarden Kubikmeter Erdgas entdeckt – Wintershall will im März mit Förderung beginnenBei einer Informationsveranstaltung am Bohrplatz Düste Z10 konnten sich Anwohner und Bürger direkt bei Experten der Wintershall über das anstehende Förderprojekt informieren.

Das Interesse der Bürger ist groß: Projektleiter Steffen Liermann (2.v.r.) beantwortet geduldig Fragen und verweist immer wieder auf die Sicherheit des Verfahrens.

Barnstorf - Eine atemberaubende Zahl: 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas lagern im Herzen des Landkreises Diepholz in einer Tiefe von 4000 Metern.

Förderbar wären nach Einschätzung der Wintershall etwa zehn Milliarden – ein Schatz, den das Unternehmen über die Bohrstelle Düste Z 10 möglichst ab März heben will. Das ist nur per Hydraulic Fracturing, sprich Fracking, möglich. Dieses Verfahren stand gestern im Mittelpunkt eines Informationstages.

Eine Veranstaltung mit Volksfest-Charakter: Direkt auf dem Bohrplatz stand ein Zelt, in dem Fachleute interessierten Bürgern und Politikern detailliert die Technik erläuterten. Auf dem Außengelände ließen sich Besucher einen Spezialtransporter und Einsatzgeräte erklären – genau dort, wo vor wenigen Wochen der große Bohrturm gestanden hatte. Denn in der ersten Jahreshälfte hatte die Wintershall bereits eine Bohrung bis in eine Tiefe von mehr als 4 000 Metern vorgenommen. Die bestätigte das in Düste vermutete Erdgasvorkommen.

Jetzt plant die Wintershall bis zu sieben Frac-Behandlungen in einer Tiefe zwischen 3 850 bis 4 350 Metern. Der Betriebsplan liegt zurzeit beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Meppen. Dr. Andreas Scheck, Leiter Operations der Wintershall Barnstorf, rechnet fest mit der Genehmigung: In vier bis sechs Wochen könne sie vorliegen, dann könnte wahrscheinlich im März mit den Frac-Bohrungen begonnen werden.

Es ist ein Projekt mit historischer Bedeutung: „Sollte sich das förderbare Potenzial von etwa zehn Milliarden Kubikmetern Erdgas bestätigen, könnten wir in Barnstorf für mehrere Jahrzehnte Erdgas fördern“, so Joachim Pünnel, Leiter der Wintershall-Niederlassungen in Deutschland. Er betonte gestern ausdrücklich, dass der Trinkwasserschutz für die Wintershall die gleiche Priorität habe wie für die Auburg-Quelle (Wagenfeld) und Vilsa (Bruchhausen-Vilsen). Die Betreiber dieser Mineralbrunnen sind in höchster Sorge, weil beim Fracking chemische Additive zum Einsatz kommen. Gelangen sie ins Grundwasser, dann dürften die Mineralbrunnen-Betreiber ihre Produkte nicht mehr vermarkten.

Frac- und Förderarbeiten, Sicherheit und Schutz von Umwelt und Grundwasser: Gebündelte Informationen darüber bekamen Interessierte gestern buchstäblich in die Hand gedrückt. In einem vierseitigen Prospekt hatte das Unternehmen die wichtigsten Informationen zusammen gefasst. Zum Hydraulic Fracking heißt es darin: „Bei dieser Fördermethode werden mit Wasserdruck feine Rissflächen im Lagerstättengestein um die Bohrung erzeugt, damit über die so geschaffene, vergrößerte Kontaktfläche das Erdgas leichter zur Bohrung fließen kann.“

Doch damit gaben sich die wenigsten Besucher zufrieden. Geduldig beantwortete Projektleiter Steffen Liermann Frage um Frage aus der dichten Menschentraube, die ihn umringte. Mit anschaulichen Gesten zeigte er, was genau beim Fracking geschieht. Er betonte: „99,2 Prozent der Frack-Flüssigkeit sind Wasser und Stützmittel“, und fügte hinzu: „Die Additive sind als schwach wassergefährdend eingestuft.“

Seine Botschaft während des Informationstages: Die Technik ist schon seit 30 Jahren Standard bei der Erdgassuche – und sicher. Doch Egbert Schöne aus Lemförde war nicht überzeugt: „Wir pressen uns möglicherweise eine Zeitbombe unter die Füße“, warnte er. Horst Mose aus Barnstorf schüttelte lächelnd den Kopf. Er sei von der Sicherheit der Technik überzeugt, erklärte er. Er vertraut der Wintershall, die in Barnstorf praktisch „zur Familie“ gehört. Seit Jahrzehnten beschäftigt das Unternehmen dort 240 Mitarbeiter. Vor Ort war gestern auch die Barnstorfer Polizei – nicht wegen möglicher Proteste, sondern aus eigenem Interesse am Thema. „Das ist für uns auch wichtig, wenn Bürger-Anfragen kommen“, so Polizeibeamter Klaus Gerding.

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