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27.11.2017

Bohrtürme in der HeideAusstellung: Von 1900 bis 1920 war der niedersächsische Ort Wietze Deutschlands wichtigster Standort für die Erdölförderung. Das Deutsche Erdölmuseum Wietze erinnert daran.

VDI Nachrichten vom 24.11.2017

Von Henning Zander. Technik für die Ewigkeit. Der Kehrradantrieb steht auf dem Freigelände des Deutschen Erdölmuseums Wietze zwischen Bäumen und Bohrtürmen. Seit über 100 Jahren steht er an dieser Stelle.

Und er funktioniert immer noch. Stephan A. Lütgert, der Leiter des Museums, setzt den Motor in Gang. Es dauert ein wenig, dann bewegen sich lange Zugstangen nur ein paar Zentimeter über dem Erdboden hin und her. Sie sind quer durch das Freigelände verlegt. Vorher haben sie noch die neugierigen Blicke der Besucher auf sich gezogen: Wofür mögen diese Stangen wohl gut sein? Dann wird es klar: Sie treiben vier Pumpen an, die nun auf- und niederschwingen. Ein Anblick, der vor rund 100 Jahren völlig alltäglich war. „Wir stehen hier direkt auf einem Ölfeld“, sagt Lütgert. Zwischen 1900 und 1920 war Wietze Deutschlands wichtigster Standort für die Erdölgewinnung.

Es ist schwer, sich vorzustellen, wie es hier früher einmal aussah. Zahllose Bohrtürme, dicht an dicht, förderten einst das schwarze Gold, dick und zähflüssig, aus dem Boden. Dass es in Wietze Öl gab, war schon lange bekannt. Schon die Bauern in Wietze nutzten das Öl, das sie in offenen Teerkuhlen fanden, als Wagenschmiere, Konservierungs- oder als Heilmittel. 1858 baute Professor Georg Konrad Hunäus im Auftrag der Königlich-Hannoverschen Regierung hier sein Bohrgestänge auf – eigentlich um nach Kohle zu suchen, dem damals deutlich wichtigeren Rohstoff. 13 Bohrungen führte er zwischen April 1858 und Mai 1859 durch. Die These der Geologen war es, dass dort, wo Öl austrat, auch ein Kohleflöz unter der Oberfläche lag. Tatsächlich jedoch stieß Hunäus nicht auf Kohle, sondern auf eine erdölführende Schicht.

Erst ab 1899 wurde Wietze zum führenden Erdölstandort, wenn auch nur für kurze Zeit. In jenem Jahr bohrte der Unternehmer Friedrich Hasenbein im Auftrag des Industriellen Adalbert Keysser nördlich des Flusses Wietze und stieß in 140m Tiefe auf Erdöl. Mehrere Wochen lang floss das Öl frei aus und musste nur noch abgefüllt werden.

Von da an ging es Schlag auf Schlag: Innerhalb kürzester Zeit siedelten sich unzählige Firmen an und teuften Bohrungen ab. Im Jahr 1909 lag die Erdölförderung nach Angaben des Museums bei 113.515t im Jahr. Damit sollen rund 79,2% der deutschen Erdölproduktion abgedeckt worden sein. Ein Bahnhof wurde gebaut, ein Hafen und eine Raffinerie entstanden. Für die Arbeiter wurde eigens eine Siedlung angelegt.

Schon Anfang der 1920er-Jahre wurde es immer schwieriger, das Erdöl zu fördern. Der Weg führte die Erdölgesellschaften deshalb in die Tiefe. In einem Erdölbergwerk förderten Bergleute Sickeröl und Ölsand, aus dem das Erdöl über Tage ausgewaschen wurde. Bis zu 450 Mann (1926) arbeiteten unter Tage. „Nach einer harten Schicht schafften sie es nie ganz, sich den Gestank des Öls vom Körper zu waschen, trotz Einsatz von Waschpetroleum und Kernseife“, erzählt Lütgert. Im Museum wurde mithilfe von ehemaligen Bergleuten ein Teil eines Stollens rekonstruiert. Die Stollen selbst sind heute verschlossen und verschüttet. Seit 1963 wird in Wietze kein Öl mehr gefördert. 1970 wurde das Erdölmuseum eröffnet.

Neben dem weitläufigen Außenbereich gibt es im Museum noch eine umfangreiche Dauerausstellung. Einige technische Highlights gehören zu den Exponaten. Etwa ein Mintrop-Seismograf, der dafür genutzt wurde, neue Lagerstätten zu entdecken, oder eine Drehwaage für gravimetrische Untersuchungen aus dem Jahr 1928, mit der die horizontale Ausdehnung von Lagerstätten bestimmt werden konnte.

Gäbe es das Museum nicht, würde kaum etwas an die Industrie erinnern. Grüne Wiesen sind inzwischen dort, wo einst die Ölpumpen standen. Pferde grasen dort, Bauernhöfe erinnern eher an eine lange landwirtschaftliche Tradition als an eine industrielle. Doch das Bild war mal anders: Zu Hochzeiten verursachte die Industrie erhebliche Verschmutzungen, denn die Abwässer wurden direkt in das Flüsschen Wietze abgeleitet, mit
entsprechenden Schäden für Natur und Nutztiere.

Die hat sich inzwischen erholt. Hohe Bäume stehen zwischen den Exponaten des Museums. Sie werden überragt von einem der eindrucksvollsten Exponate, einem ehemaligen Bohrturm der Firma Wintershall. Einen weiten Weg hat der Turm hinter sich: An insgesamt 32 Standorten in Deutschland wurde er eingesetzt, an der Nordsee und im Binnenland. Immer wieder wurde er auf- und abgebaut. Hier in Wietze findet er seinen letzten Standort. Neben ihm sind Bohrköpfe aufgereiht, als würden sie auf ihren Einsatz warten.

Unter Wietze liegt immer noch Öl. Doch dass es hier eines Tages wieder wirtschaftlich gefördert wird, ist nahezu ausgeschlossen. Dennoch lebt das Ölzeitalter weiter. Das benachbarte Celle ist einer der wichtigsten Standorte der deutschen Erdöl- und Erdgasindustrie. Unzählige Servicefirmen, Forschungslabore und Zulieferer befinden sich dort. Viele Menschen leben hier immer noch vom Öl. Auch wenn es nicht mehr aus Wietze kommt. cer/cb

Erdölmuseum Wietze
März bis November: Dienstag bis Sonntag von 10-17 Uhr.
Juli  und  August: Montag bis Sonntag von  10-18  Uhr.
www.erdoelmuseum.de

Quelle: www.vdi-nachrichten.com

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